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Zweibrücken wehrt sich gegen Aufmarsch von Neonazis

1.500 Buttons gegen Nazis

Zweibrücken (ddp-rps). Ein breites Bündnis will am Samstag gegen einen angekündigten Aufmarsch von Neonazis in Zweibrücken protestieren. Nach Angaben der Polizei hat die rechtsextreme Kameradschaft Nationaler Widerstand Zweibrücken einen «Trauermarsch» zum Gedenken an die Opfer des Luftangriffs vom 14. März 1945 angekündigt. Mit fünf Gegenkundgebungen soll verhindert werden, dass die Neonazis ungehindert durch die Innenstadt marschieren können, sagte Bündnissprecher Walter Rimbrecht am Donnerstag auf ddp-Anfrage. Er rechne mit mindestens tausend Teilnehmern, es könnten aber durchaus mehr werden.«Die Wut in der Bevölkerung ist groß», betonte Rimbrecht. Die Menschen in Zweibrücken wollten es sich nicht gefallen lassen, dass Neonazis das Datum für ihre Zwecke instrumentalisierten. Aus diesem Anlass hätten sich nun unter anderem Gewerkschaften, Schulen, Initiativen sowie alle im Stadtrat vertretenen Fraktionen zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Es gebe die «feste Absicht», auch in Zukunft gemeinsam Aktionen gegen Rechts zu organisieren. In Zweibrücken gebe es mehrmals im Jahr kleinere Aufmärsche von Rechtsextremen. «Die finden immer einen Anlass», sagte der Bündnissprecher. Vor einem Jahr hätten sich Neonazis im Internet damit gebrüstet, dass sie ungehindert durch Zweibrücken marschieren könnten. Das wollten sich die Bürger nicht länger gefallen lassen und hätten für Samstag eine zentrale Kundgebung unter dem Motto «Für Demokratie, Toleranz und Menschenrecht» angemeldet. Bisher sei die Kameradschaft in Zweibrücken nicht durch Gewalttaten aufgefallen, sagte Rimbrecht. Doch offenbar seien Neonazis aus der Region Mitte Februar auf der Rückfahrt von einem rechtsextremen Aufmarsch in Dresden an einem brutalen Überfall auf Gewerkschafter beteiligt gewesen. «Das sind Wölfe im Schafspelz», warnte der Bündnissprecher. Der Zweibrücker Oberbürgermeister Helmut Reichling blickt dem angekündigten Aufmarsch in seiner Stadt mit Sorge entgegen. Er wolle nicht ausschließen, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen könnte, sagte Reichling.

Bild vom Herzogplatz

Der Mut hat sich gelohnt. 1.000 Menschen zeigten friedlich und beeindruckend Flagge gegen die Naziaufmärsche. Die Nazis konnten nur mit großem Polizeischutz mit zwei Stunden Verspätung eine kleinere Strecke lang marschieren. Wenn nicht die Mutlosen verhindert hätten ,dass die Busse fahren, wären sicher noch viel mehr Menschen gekommen. Besonders Jugendliche sind auf die Busse angewiesen.

Bild vorn v. links: Bürgermeister Heinz Heller, MdB Lydia Westrich, MdB Kandidatin Sabine Willhelm

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Aufruf:

Am 14. März 2009 sind die Neonazis angereist, um erneut die Stadt Zweibrücken für ihre Aufmärsche zu missbrauchen. Mit ihrem zynischen Motto („gegen das Vergessen“) wollen sie das Andenken der Bombenopfer mißbrauchen.

 Allein schon das Motto ist eine Provokation, denn noch kein Feind hat Deutschland so geschadet, wie die Nazis selbst. Angeblich wollen sie gegen das Vergessen demonstrieren, wo sie doch sonst so vergesslich sind und so ziemlich jedes schlimme Verbrechen leugnen, das ihre geistigen Vorfahren begannen haben.

 Würden sie sich doch nur einmal daran erinnern, wie in unserem bunten Zweibrücken einmal nur noch Hakenkreuzfahnen und SA-Uniformen zu sehen waren.

Würden sie sich doch nur daran erinnern, wie die  zynisch als „Schutzhäftlinge“ bezeichneten Gewerkschafter und anderen Demokraten in das kleine Gefängnis neben dem Gericht eingesperrt wurden.

Würden sie sich doch nur einmal daran erinnern, wie angesehene Zweibrücker auf einmal entrechtet, verfolgt und umgebracht wurden, nur weil sie den falschen Glauben hatten.

Ob sie sich irgendwann einmal daran erinnern, wie die Synagogen brannten und Millionen Menschen, Frauen, Kinder, Männer und Greise industriemäß vernichtet wurden?

Ob sie sich daran erinnern, wie Hitler rücksichtslos und brutal nichts anderes als den Vernichtungskrieg wollte?

Ob sie sich daran erinnern, wie der Gauleiter und der damalige OB von Zweibrücken stolz verkündeten, dass diese Stadt die Anhänger einer traditionsreichen Religion als erste in der Pfalz ausgerottet hat.

Ob sie sich daran erinnern, wie die Zweibrücker Stadtspitze damals in SA-Uniform auf der Rennwiese auftrat und jedes Menschenleben, jeden Wert und alles Vermögen einem Wahnsinnigen, den sie „Führer“ nannten, geopfert hatten?

 Für die Älteren von uns muss doch jeder Neonaziaufmarsch Erinnerungen an damals wecken.

 Ja, die Nazis opferten Deutschland und große Teile Europas einem Wahnsinnigen. Kann sich jemand vorstellen, dass es heute trotzdem noch Anhänger dieses Wahnsinnigen gibt, die symbolisch wieder die Stadt in Besitz nehmen wollen?

 Der von uns allen bedauerte Luftangriff und alle anderen Luftangriffe auf deutsche Städte waren eine Folge der Naziverbrechen.

Die massiven Angriffe waren eine Folge davon, dass die Nazis großspurig verkündet hatten, dass sie die Dörfer und Städte zu Festungen ausbauen wollten, obwohl der Krieg längst verloren war.

 Sie hatten davor den schlimmen Krieg begonnen, dann den totalen Krieg gefordert und millionenfachen Massenmord verübt.

 Während Hitler zitternd in seinem Bunker saß, musste sich auf seinen Befehl jedes Dorf zur „Festung“ verschanzen. Dazu sollten alte Männer aus Holzstämmen am Dorfeingang sogenannte Panzersperren einrichten. Dazu mussten dann bewaffnete Hitlerjungen mit Panzerfäusten den feindlichen Angriff abwehren, zumindest den Alliierten beim Einmarsch Verluste zufügen.

Das unsägliche Unheil begann schon viel früher. Nur wenige Tage nachdem Hitler Reichskanzler einer Koalitionsregierung geworden war, hätten alle sehen können, wo die Reise hin geht.

 Damals hätten Polizei und Militär sich an ihren Eid auf die Verfassung von Weimar erinnern müssen.

 Schon am 30. Januar 1933, als der Reichspräsident noch Hindenburg hieß, wurden mit Hilfe von vorgefertigten Listen sämtliche Leute verhaftet, die sich jemals gegen die Nazis geäußert hatten. Die Nazis begannen sofort alle Andersdenkenden (wie sie selbst sagten) „auszumerzen“.

 Ende Februar 1933 saßen schon in 30 Lagern 28 000 Bürgerinnen und Bürger, die eventuell hätten dafür sorgen können, dass die Demokratie erhalten bleibt und die Barbarei noch verhindert werden kann.

 Zweibrücken hat heute aus der Geschichte gelernt und wehrt sich schon früh und erfolgreich gegen die verbrecherische Naziideologie, die zur Barbarei und schließlich zur Zerstörung großer Teile Europas geführt hatte. Wenn die geistigen Nachfolger der Haupttäter von damals sich heute gerne als Opfer präsentieren wollen, kann man eine solche Geschichtsfälschung nicht zulassen.

 Wir organisieren den Widerstand gegen die Neonazis, die sich mit zynischer Geschichtsfälschung Mitleid und Sympathien zu erschleichen und Zweibrücken als Tummelplatz für ihre Aufmärsche zu missbrauchen wollen. Wir lassen uns davon nicht von den Verzagten abbringen, denn wir müssen aus der Geschichte lernen und den Anfängen wehren, bevor die Angst zu groß ist.

 Wir haben aus der Geschichte gelernt und wehren uns früh mit allen demokratischen Mitteln. Wir lassen es nicht zu, dass die Stadt durch Schwarz-Weiß-Rot beherrscht wird. Wenn die geistigen Nachfolger der Haupttäter von damals sich heute gerne als Opfer präsentieren wollen, kann man eine solche Geschichtsfälschung nicht zulassen.

 Wir überlassen denjenigen, die mit ihrer Blut- und Boden- Ideologie erneut Menschen ins Verderben stürzen wollen, keinen Fußbreit, auch wenn diese Wölfe noch so viele Schafspelze anziehen. Wir wehren uns heute erfolgreich, beeindruckend und mit großer Einigkeit gegen die verbrecherische Naziideologie.

 Wir organisieren deshalb auch weiterhin den Widerstand gegen die Bestrebungen der Neonazis, sich mit zynischer Geschichtsfälschung Mitleid und Sympathien zu erschleichen und Zweibrücken als Tummelplatz für ihre Aufmärsche zu missbrauchen. Wir werden auch bei den nächsten Nazikundgebungen mit einem großen Bündnis eindrucksvoll aber friedlich auftreten.

 Zweibrücken war die Geburtsstätte des Deutschen Presse- und Vaterlandsvereins, der ersten freien Presseorganisation, und damit auch ein Ausgangspunkt des Hambacher Festes, der ersten demokratischen Bewegung in Deutschland. In dieser Tradition werden wir auch heute aktiv für Demokratie, Toleranz und Menschenrecht in Zweibrücken eintreten.

 Ich freue mich sehr, dass so viele den Aufrufen aller hier beteiligten Gruppen gefolgt sind. Viele haben sich aus eigenem Antrieb dem Bündnis hier angeschlossen und wir alle können stolz darauf sein, dass wir bei allen politischen Meinungsunterschieden so entschieden eintreten nach dem Motto:

 „Aktiv für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit in Zweibrücken“ – „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.“ Wir werden nicht schlafen, sondern wachsam sein gegenüber den Feinden der Demokratie.

 Walter Rimbrecht



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Stand: 15. März 2009